Rückblick: „Zahlt die Jugend den Preis für die Corona-Bekämpfung?“: Kenners Montagsrunde am 03.05.21

Veröffentlicht am 09.05.2021 in AG 60plus

Auch nach der Landtagswahl führt Andreas Kenner seine digitale Montagsrunde fort. Am 3. Mai waren Naphat Mann, der Schulsprecher des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums und Marlene Theiss vom Gymnasium in Plochingen seine Gäste. Mit ihnen unterhielt sich Andreas Kenner darüber, was die Corona-Pandemie mit jungen Menschen macht und ob insbesondere sie den Preis für die Corona-Bekämpfung zahlen.

Naphat Mann: „Bei der digitalen Infrastruktur haben wir noch immer Nachholbedarf“.

Homeschooling statt Präsenzunterricht, ein zunehmender Mangel an Bildungsgerechtigkeit, Verschuldung unseres Landes auf Jahrzehnte, viele Ausbildungsplätze fallen weg – die Corona-Pandemie hat gerade auf das Leben junger Menschen erhebliche Auswirkungen. Da war die Frage von MdL Kenner an die Schüler Naphat Mann aus Kirchheim und Marlene Theiss aus Hochdorf, wie es ihnen derzeit geht, durchaus berechtigt. „Im Vergleich zu anderen geht es mir noch ganz gut. Was vor allem fehlt, sind unbeschwerte Treffen mit Freunden. Im Privaten ist jetzt ein Jahr lang viel weggefallen. Auch beim CVJM, wo ich mich engagiere, gibt es nur wenige Treffen. Wir haben aber eine Online-Jungschar durchgeführt“, berichtete Marlene Theiss, die das Gymnasium in Plochingen besucht. Naphat Mann ist aktuell wieder im Homeschooling. Er freue sich stets aufs Neue, wenn die Schule wieder geöffnet hat und er seine Mitschüler sehen kann, so der Schulsprecher des Ludwig-Uhland-Gymnasiums, der just am 3. Mai seinen 17. Geburtstag feierte.

Was würden die Schüler sich von der neuen Kultusministerin bzw. dem neuen Kultusminister wünschen, wenn sie drei Wünsche frei hätten? „Auf jeden Fall mehr Transparenz in den Entscheidungen. Die bisherige Kultusministerin Eisenmann hat sich immer wieder in Bezug auf Corona sehr widersprüchlich geäußert. Auch sollte Lüftungstechnik flächendeckend in allen Schulen eingesetzt werden“, antwortete Naphat Mann. Marlene Theiss ergänzte: „Es sollte noch mehr in die Digitalisierung investiert werden. Alle Schüler brauchen ein stabiles Internet.“ Laut Naphat Mann hat sich die digitale Ausstattung der Schulen in den letzten Jahren zwar gebessert, es gebe aber immer noch Baustellen: „Bei der digitalen Infrastruktur und bei den technischen Endgeräten besteht noch immer Nachholbedarf.“

Derzeit wird kontrovers darüber diskutiert, ob Geimpfte ihre Freiheitsrechte zurückerhalten sollen, wodurch sie gegenüber Nicht-Geimpften privilegiert wären. Naphat Mann fände dies unfair, solange nicht jeder Bürger ein Impfangebot erhalten hat: „Sobald jeder ein Angebot hatte, wäre der richtige Zeitpunkt, Geimpften ihre Freiheiten zurückzugeben.“ Marlene Theiss ist in dieser Frage unentschlossen. Sie hofft, dass die Priorisierung beim Impfen möglichst bald aufgeboben wird, damit sich auch jüngere Menschen impfen lassen können.

Sowohl Marlene Theiss als auch Naphat Mann bezeichnen sich als politisch sehr interessiert und schreiben dies auch ihren Mitschülern zu: „Ich habe Gemeinschaftskunde als Leistungskurs, wodurch ich den Austausch mit Gleichgesinnten habe. Das politische Interesse ist da, junge Menschen wollen sich einbringen. Politik und Gesellschaft könnten sich aber überlegen, wie sich junge Menschen noch besser einbinden lassen“, so Marlene Theiss. Naphat Mann konnte als Schulsprecher des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums mit Umweltthemen punkten: „Ein wichtiger Punkt meiner Bewerbung war, den Schulgarten auszubauen. Wir planen auch Bäume zu pflanzen.“ Sind viele Gymnasiasten bei Fridays for Future aktiv, möchte Andreas Kenner von seinen Gästen wissen. Sowohl am Kirchheimer als auch am Plochinger Gymnasium engagiere sich tatsächlich nur ein kleiner Teil bei FFF, berichten Mann und Theiss. Umwelt- und Klimaschutz seien den Schülerinnen und Schülern aber wichtige Anliegen.

Andreas Kenner warb vor diesem Hintergrund dafür, den Klimawandel sozial gerecht zu gestalten und allgemein nicht die Sozialpolitik zu vernachlässigen. Zudem sei es wichtig, trotz dem prinzipiell richtigen Grundsatz „Aufstieg durch Bildung“ andere Bildungsgänge gegenüber dem Abitur nicht abzuwerten: „Wir brauchen in Deutschland auch Handwerker und medizinisches Personal. Nicht jeder Schüler und jede Schülerin muss Abitur gemacht und studiert haben“, betonte Andreas Kenner.

 

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